Medienanalyse

Mit Tamedia, Riniger und der NZZ-Mediengruppe beherrschen drei Medienkonzerne rund 80% des Schweizer Medienmarkts. Für die Medienvielfalt ist diese Zahl kein Problem, würde jede einzelne Zeitung eigentständige Inhalte produzieren.

Doch die meisten Zeitungen der oben genannten Konzerne bedienen sich der immer gleichen Quellen. So werden viele Informationen heute von Newsagenturen (z.B. SDA) gekauft oder noch effizienter, im Internet «abgeschaut» und umgeschrieben. Hauptsache Inhalt im Minutentakt. Quantität vor Qualität.

Doch Meinungsvielfalt kostet Geld. Das Geld aber wird immer knapper. Auch weil wir, die Konsumenten, lieber zu 100% werbefinanzierte Gratisblätter lesen, die überall herumliegen. Was dabei vergessen geht: Was keinen Preis hat, hat keinen Wert.

Trotzdem sind Unternehmen gezwungen, Gewinne zu schreiben. Auch dann, wenn sie sich selbst als die sogenannte Vierte Gewalt bezeichenn. Ein Zielkonflikt, für den es eigentlich nur eine Lösung gibt.

Mehr Markt, mehr Wettbwerb, mehr Transparenz – mehr Medienvielfalt.

Konkurrenz Internet
Plötzlich war das Monopol auf Informationen weg

Viele Personen bezeichnen das Internet als die beste und effizienteste Erfindung der Welt. Die etablierten Medienkonzerne sind wohl nicht ganz dieser Meinung. Denn mit dem Einzug des Internets ging schleichend das Monopol auf Informationen verloren. Plötzlich konnte jede Person einfach und schnell eine eigene Website erstellen und Informationen (gratis) zur Verfügung stellen.

Neue Welt – alte Denkweise
Warum innovativ sein, wenns 200 Jahre ohne funktioniert hat?

Früher machten Medienunternehmen satte Gewinne. Das Geld floss aus dem Zeitungsverkauf (Abos, Einzelverkauf) und Werbeeinnahmen. Doch dann kam Google mit einer innovativen Idee: Individuelle, zielgerichtete Werbung zu einem bruchteil des Preises, inklusive transparenter Statistik. 

Auch zwanzig Jahre danach haben die meisten Medienunternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht für sich zu nutzen gewusst. Die Technik wäre da. Die Innovation nicht.

Klicks vor Qualität
Je mehr Klicks, desto mehr Werbeeinnahmen

Was früher der Tausender-Kontakt-Preis (TKP) war, ist heute der Klick. Je mehr Klicks eine Onlinezeitung generiert, desto mehr Werbeeinnahmen können erzielt werden.

Hier gibt es einen erheblichen Zielkonflikt zwischen Qualität und Umatz, denn jurnalistische Qualität ist keine Voraussetzung für viele Klicks. Im Gegenteil: Oft erzielen emotionalisierte oder irreführende Titel (Stichwort «Clickbaiting») mehr Klicks als objektive und faktenbasierte Überschriften.

Heute gewinnt jenes Unternehmen mit dem besten Suchmaschinenmarketing und nicht das Medium mit dem besten Journalismus.

Kein Geld für Qualität
Huhn oder Ei – Gratiskonsum oder Medienangebot

Seit rund zwei Jahrzehnten sinken die Einnahmen aus Abonnementverkauf und Werbung bei den meisten etablierten Medienunternehmen drastisch. Innovative Lösungen? Fehlanzeige.

Da die Konsumenten scheinbar nicht bereit sind, Geld für qualitativ guten Journalismus zu bezahlen, hat man sich der Idee von Gratiszeitungen bedient. Unabhängiger Journalismus, der zu 100% von Unternehmen und Parteien (Werbung) finanziert wird?

Für die Gratiszeitungen scheint das Geschäft finanziell aufzugehen. Für die Meinungsvielfalt reicht es dafür leider nicht.

Fehlende Meinungsvielfalt
Wenn alle aus der gleichen Quelle trinken, wirds geschmacklos

Meinungsvielfalt kostet Geld. Denn für eine vielfältige Medienbranche braucht es eine grosse Vielfalt an selbstverfassten Informationen. Leider bedienen sich die meisten grossen Medienkonzerne aus kostengründen einer einfachen und günstigen Quelle: Den Newsagenturen.

Damit wird die Herstellung von Informationen effizient und kostengünstig ausgelagert. Heute veröffentlichen die meisten Zeitungen die genau gleichen Agenturnews. Damit dieser Umstand nicht auffällt, werden Überschrift und Bild ausgetauscht. Der Inhalt jedoch bleibt immer der gleiche. Meinungsvielfalt? Fehlanzeige.